Himmelserscheinung über Nürnberg 1561
Bürger Nürnbergs beobachten ein spektakuläres Schauspiel aus Kugeln, Zylindern, Kreuzen und anderen Formen, die über den Morgenhimmel ziehen. Drucker Hans Glaser dokumentiert das Ereignis in einem berühmten Flugblatt-Holzschnitt, der zu einer der frühesten illustrierten Darstellungen unerklärter Luftraumphänomene wird.

Hintergrund
Am Morgen des 14. April 1561, zwischen vier und fünf Uhr, beobachteten die Bewohner Nürnbergs—damals eine Freie Reichsstadt des Heiligen Römischen Reiches—ein erschreckendes Schauspiel am Himmel. Laut einem Flugblatt von Hans Glaser umfasste das Phänomen eine Vielzahl von Objekten nahe der Sonne, die einen Luftkampf auszutragen schienen.
Der Vorfall
Das Ereignis fand am Morgen des 14. April 1561 statt.
Zeugen sahen eine Menge von Objekten nahe der Sonne.
Das Schauspiel dauerte etwa eine Stunde.
Zeugenaussagen
- Zahlreiche Kugeln: einige blutrot, einige blaugrau, einige schwarz.
- Zylindrische Formen, aus denen kleinere Kugeln hervortraten.
- Kreuze, Halbmonde und eine große schwarze dreieckige Form.
- Die Objekte schienen einen Luftkampf auszutragen.
- Mehrere fielen rauchend zu Boden, als würden sie von Feuer verzehrt.
Hans Glasers Flugblatt
Hans Glaser, Drucker und Holzschnittkünstler, fertigte das Flugblatt kurz darauf an.
Es maß etwa 26 mal 38 Zentimeter.
Es vereinte eine detaillierte Holzschnitt-Illustration mit einem schriftlichen Bericht.
Interpretation
Der Text interpretierte das Phänomen als göttliche Warnung.
Dies stand im Einklang mit dem religiösen Rahmen, durch den Europäer des sechzehnten Jahrhunderts außergewöhnliche Ereignisse verstanden.
Aufbewahrung
Das Originaldokument wird in der Graphischen Sammlung der Zentralbibliothek Zürich aufbewahrt.
Moderne Anerkennung
Das Nürnberger Ereignis blieb weitgehend unbekannt bis ins zwanzigste Jahrhundert.
Der Psychoanalytiker Carl Jung erwähnte es in seinem 1958 erschienenen Werk Ein moderner Mythus: Von Dingen, die am Himmel gesehen werden.
Konventionelle Erklärungen
Erklärungen umfassen atmosphärische optische Phänomene wie Nebensonnen oder Parhelien.
Skeptiker bemerken, dass die Beschreibungen nicht eindeutig zu einem einzelnen bekannten Effekt passen.
Bedeutung
Das Nürnberger Flugblatt von 1561 ist einer der frühesten illustrierten Berichte über unerklärte Luftraumphänomene in der europäischen Geschichte. Seine Wiederentdeckung im zwanzigsten Jahrhundert durch Carl Jungs Werk half dabei, eine historische Tradition anomaler Himmelsbeobachtungen zu begründen, die der modernen UFO-Ära um fast vier Jahrhunderte vorausgeht. Das Dokument zeigt, dass Massenbeobachtungen ungewöhnlicher Luftobjekte kein Phänomen des technologischen Zeitalters sind.